Tobintax

Bisher nicht umgesetzte, von James Tobin vorgeschlagene, weltweite Steuer auf die beim Handel mit Devisen anfallenden Umsätze.

Zum Hintergrund:
Als das System fester Wechselkurse 1973 endgültig zusammenbrach, kam es in der Folgezeit zu einer almählichen Aufhebung von Restriktionen im Devisenumtausch. Diese Liberalisierung war erwünscht, da man sich von ihr eine Disziplinierung nationaler Finanzpolitiken und eine für alle Beteiligten profitable Erhöhung der Effizienz der Kapitalmärkte erhoffte.
Doch mit der Liberalisierung des Devisenhandels ergaben sich bald eine Reihe negativer Effekte: Während zur Zeit der festen Wechselkurse Kapitalströme auf den Handel mit Gütern und Dienstleistungen gestützt und damit realwirtschaftlich verankert waren, nahm nun der Devisenhandel zum Zwecke der Spekulation extrem zu.


"So schätzt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), dass etwa 80 Prozent aller Kapitalströme für einen Zeitraum von sieben oder weniger Tagen ausgelegt sind. Kurzfristige Kapitalströme können jedoch in Krisenzeiten erhebliche zusätzliche destabilisierende Effekte auf den Devisenmarkt und auf die Zinsen haben." (Quelle: Enquete-Kommission "Globalisierung der Weltwirtschaft" Arbeitsgruppe "Finanzmärkte" – 14/86 –)

1978 schlug James Tobin die Einführung einer globalen Steuer auf Kapitalströme vor. Sein hauptsächliches Ziel war es, den kurzfristigen, spekulativen Handel mit Währungen zu verteuern und damit einzudämmen, um den internationalen Finanzmärkten mehr Stabilität zu verleihen und die kleineren Nationalökonomien dem Zugriff mächtiger Devisenspekulanten zu entziehen. Die anfallenden Steuereinnahmen sollten der UN zur Verfügung gestellt werden.

In den 70er und 80er Jahren fand Tobins Vorschlag wenig Beachtung. Zu sehr war man von den Vorteilen der Liberalisierung der Weltfinanzmärkte überzeugt. Durch die Finanzkrisen in den 90er-Jahren kam die Tobintax erneut ins öffentliche Bewußtsein. Mit der Krise im Europäischen Währungssystem (EWS) 1992/93, der lateinamerikanischen "Tequilakrise" 1995 sowie der Südostasienkrise 1997/98 wurden die Befürchtungen hinsichtlich der Gefahren unkontrollierter Devisenspekulationen drastische Realität.

Obwohl es inzwischen eine Studie des BMZ gibt, die belegt, daß die Tobinsteuer durchaus sinnvoll und durchführbar ist, wird sich nicht eingeführt.

Etwas kritischer sieht das ganze Ton Veerkamp.