Scientology

Am Anfang der Scientology-Organisation stand das 1950 von Lafayette Ronald Hubbard (1911-1986) veröffentlichte Buch "Dianetik". Hubbard glaubte erkannt zu haben, daß sogenannte "Engramme" (= unbewußte Erinnerungsinhalte) den Verstand des Menschen überschatten und damit verhindern, daß dessen Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Der zentrale Werbespruch der Scientology lautet noch heute: "Wir nutzen nur 10 % unseres geistigen Potentials."
Scientology verspricht den Menschen die "totale Freiheit". Als Einstieg wird ein kostenloser Persönlichkeitstest mit 200 Fragen verwendet, der angeblich Stärken, vor allem aber Schwächen aufzeigt. Hier setzt das "Therapieangebot" in Form von schrittweise immer teurer werdenden Psychokursen ein, die in einem verschachtelten System zu immer mehr Freiheit und Macht führen sollen.

Im Mittelpunkt dieser Psychokurse steht das sog. "Auditing", das von Scientology als "seelsorgerliches Gespräch" apostrophiert wird, Aussteiger jedoch oftmals als "Gehirnwäsche" beschreiben. Ziel der Scientology-Kurse (Auditing) ist der sog. "operierende Thetan" (OT). Der OT "ist mit seiner Umgebung so vertraut gemacht worden, daß er den Punkt erreicht hat, völlig Ursache von Materie, Energie, Raum, Zeit und Denken zu sein". Diese Science-fiction-Figur schaffe und verändere - folgt man Scientology - das physikalische Universum aus Materie, Energie, Raum und Zeit durch sein Wollen. Unberührt von Leiden und Leidenschaften, Schwäche und Scheitern sei ein OT nie mehr Opfer, sondern nur noch Beherrscher seines Schicksals. Man könnte diesen OT als "Übermenschen" beschreiben.
Bei Scientology gilt jedes Abweichen von der eigenen Ideologie als "Verbrechen". Abtrünnige und Kritiker der Organisation werden auch als "antisoziale Persönlichkeit" oder als "Suppressive Persons" bezeichnet. Mehr oder weniger deutlich wird bei Scientology gesagt, daß solche "Feinde" zu vernichten sind.
Folgende Organisationen sind sehr eng mit Scientology verbunden und werden vollständig von Mitgliedern von Scientology geleitet:
ZIEL (Zentrum für individuelles und effektives Lernen): richtet Scientology-Schulen ein und gibt Nachhilfestunden in Study Tech, der speziellen Scientology-Studiertechnologie.
Narconon: führt Drogenrehabilitationszentren. Die Erfolgsstatistiken von Quellen innerhalb und außerhalb von Scientology sind extrem unterschiedlich.
Criminon: soll Kriminellen bei der Resozialisierung helfen. Funktionäre von Criminon besuchen auch Gefängnisse.
KVPM (Kommission für Menschenrechte in der Psychiatrie), englisch CCHR: bekämpft pauschal "die Psychiatrie", die von Scientology als Erzfeind betrachtet wird.
WISE (World Institute of Scientology Enterprises): Vereinigung von Scientology-Unternehmern, befasst sich besonders mit Management-Beratungen.
Die Frage, ob Scientology eher Sekte oder Konzern, Gewerbe oder totalitäre Ideologie ist, wird von Gerichten in verschiedenen Ländern seit Jahrzehnten unterschiedlich beurteilt, wobei sich europaweit in letzter Zeit eine kritische Haltung durchsetzt. Von großer Bedeutung für Deutschland ist ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts in Kassel vom März 1995: Dort heißt es, Scientology ist keine Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft im Sinne des Art. 4 GG. In den USA hingegen ist Scientology gerichtlich als Kirche anerkannt.
Im Sommer 1997 haben sich die Innenminister darauf verständigt, Scientology bundesweit durch den Verfassungsschutz beobachten zu lassen. Man will klären, ob sich der Verdacht verfassungsfeindlicher Aktivitäten erhärtet. In einem entsprechenden Gutachten heißt es, Scientology verfolge "Ideen des absoluten, heidnischen Übermenschen" und befinde sich auf dem "Weg zur Weltherrschaft", wobei sie die "lästigen Fesseln des Liberalismus und der Demokratie" abstreifen wolle.