Mormonismus, Mormonen

Mormonismus ist der gängige Begriff für die Church of Jesus Christ of Latter-day Saints. Die meisten Mormonen leben im Bundesstaat Utah in den USA. Die Mormonen werden als Sekte beszeichnet.
Gründer des Mormonismus ist Joseph Smith (1805 - 1844). Smith behauptete, in den 20er Jahren des 19.Jhdts. Visionen gehabt zu haben, in denen ihm Gott , Jesus und ein Engel names Moroni den Auftrag gaben, eine neue Kirche zu gründen. Schriftliche Grundlage des Mormonismus ist eine von Smith mit Hilfe eines "Sehersteines" angefertigte Übersetzung des "Buches von Mormon". Das Buch handelt von den Ureinwohnern Amerikas, die gemäß den Ansichten des 19. Jahrhunderts, (ca. 600v.Chr.) von Jerusalem aus in die Neue Welt kamen und dort eine gemischte Religionsform aus Altem und Neuem Testament lebten. Der Höhepunkt des Buches ist der Besuch von Jesus Christus in der Neuen Welt.
Joseph Smith gründete schließlich 1830 mit nur sechs Mitgliedern die "Kirche Christi" später "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" oder Mormonen in Fayette, New York. Die Mormonenkirche breitete sich aus und musste in den folgenden Jahren häufig ihren Standort wechseln. Schließlich gründeten die Mormonen ihre noch heute bestehende Metropole Salt Lake City im damals weitgehend unerschlossenen Utah.
Heute ist die Gemeinschaft weltweit vertreten und hat mittlerweile um die 11 Mio. Mitglieder (2002). Sie ist durch ihr Priestertum und dessen Führungsämter in Gemeinden, Pfähle und Gebiete organisiert. Den Kopf bilden die sogenannte Erste Präsidentschaft mit dem "Propheten" und das Kollegium der "Zwölf Apostel". In den Gemeinden und Pfählen stehen Älteste, Bischöfe und Pfahlpräsidenten den Mitgliedern vor. Die Frauen tragen kein Priestertum, haben aber in den so genannten Hilfsorganisationen auch Führungsämter inne.
Die Diskriminierung von Schwarzen, Frauen, Homosexuellen, Gelehrten und Abtrünnigen ist alltägliche, religiös begründete Praxis des Mormonismus.
In den Anfängen der Gemeinschaft konnten die Männer mehrere Frauen heiraten. Diese von der Mormonenkirche als "ewiges Gesetz" angesehene Lehre wurde aber im Jahre 1891 aufgrund von äußerem Druck abgeschafft und wird von der offiziellen Mormonenkirche in der Praxis nicht mehr betrieben. Splittergruppen der Mormonen praktizieren auch heute noch Polygamie in den USA.
Junge Männer (Pflicht) und Frauen (freiwillig) werden mit 19 bzw. 21 auf Mission geschickt, um in der ganzen Welt die Mormonenkirche zu repräsentieren und deren Glauben zu verkünden. Derzeit sind etwa 60.000 (2002) Missionare tätig. Die Gemeinschaft hat einen Zuwachs von ca. 300.000 Mitgliedern jährlich, wobei die Inaktivenrate und Zahl der Austritte entsprechend hoch sind. Die Mitglieder leben entsprechend dem "Wort der Weisheit" abstinent. Sie nehmen weder Alkohol, Tabak, Kaffee oder Schwarztee zu sich. Weiter ist es interessant zu wissen, dass der Verbrauch des Antidepressivums Prozac in Utah 60 Prozent über dem US-Durchschnitt liegt und besonders Frauen, aufgrund der hohen religiösen Erwartungen, zu Medikamenten greifen.
Das Weltbild der Mormonen dreht sich primär um den so genannten "Plan der Erlösung". Dieser besagt, dass der Mensch einst in der Gegenwart Gottes als Geistkind lebte und zu Prüfungszwecken zur Erde kam, um später wie Gott werden zu können. Demnach ist jeder Mensch ein potentieller Gott, der eines Tages selbst Welten erschaffen kann - allerdings nur mit Hilfe des mormonischen Priestertums. Die Voraussetzung für das Gott-Werden, ist die "ewige Ehe" und das erhalten von Tempelbündnissen. Das Leben nach der Auferstehung wird in drei Herrlichkeiten unterteilt. In die Höchste kommen nur Mitglieder der Mormonenkirche. Entsprechend diesem Glauben, war auch Gott selbst einst ein Mensch, der sich erst später zu Gott entwickelt hat. Mormonen glauben auch, dass Gott in der Nähe eines Sternes Namens "Kolob" wohnt.
Weitere Merkmale sind die von der Gemeinschaft errichteten Tempel. Dort wird die sogenannte "Taufe für die Toten" vollzogen. Die Mitglieder glauben, dass eine stellvertretende Taufe für Verstorbene möglich ist. Um niemanden zu vergessen, betreiben die Mormonen weltweit Ahnenforschung. Erwachsene Mitglieder erhalten bei guter Führung im Tempel ihr "Endowment". Die Zeremonie ist eine abgeänderte Form der Freimaurerzeremonie, vermischt mit Elementen des Neuen und Alten Testaments, sowie den Einflüssen Joseph Smiths und seiner Nachfolger. Im Rahmen der Zeremonie werden Namen, Zeichen und Kennzeichen bekannt gegeben, die die Mitglieder niemals nach außen tragen dürfen. Bis 1990 wurden den Mitgliedern innerhalb der Zeremonie mögliche göttliche Todesstrafen im Falle einer Herausgabe angedroht. Aufgrund der hohen Geheimhaltungspflicht und des stark indoktrinierenden Charakters des Endowments, unterliegen die Mitglieder bewusst und unbewusst einem großen, psychischen Druck. Nach Erhalt des Endowments dürfen die Mitglieder keine einfache Unterwäsche mehr tragen. Sie erhalten so genannte "Garments", die sie Zeit ihres Lebens als Erinnerung an ihre Bündnisse tragen müssen.
Die Lehre der Gemeinschaft wurde über die Jahre immer wieder verändert und den äußeren Begebenheiten angepasst (Polygamie, Schwarze und das Priestertum, Tempel, usw.). Sie versucht sich langsam von den vielen fragwürdigen Lehren der Vergangenheit zu distanzieren und ein Bild der allgemeinen Akzeptanz zu schaffen. Es wird nur noch wenig Betonung auf markante Lehren gelegt und vielmehr die Familie und Jesus Christus in den Vordergrund gestellt. Die Mitglieder gehen weitgehend unkritisch mit der Vergangenheit, Veränderlichkeit und den Lehren der Mormonenkirche um.