Gleichschaltung

Mit Gleichschaltung bezeichnet man das Bestreben totalitärer Parteien und Systeme, bestehende gesellschaftliche und staatliche Organisationen zu übernehmen und entsprechend ihrer Ideologie auszurichten.
Gleichschaltung ist eigentlich ein von den Nationalsozialisten geprägter Begriff, der die auf die Machtergreifung folgende politische Orientierung aller gesellschaftlichen Gruppen und Vereinigungen auf die Doktrinen des Hitlerfaschismus bezeichnet. Praktisch bedeutete dies unter anderem, daß insbesondere Personen, die in den Medien oder im öffentlichen Dienst arbeiteten, durch ihre Mitgliedschaft in der NSDAP oder wenigsten in einem der anderen NS-Organisationen die Übereinstimmung mit der faschisitschen Ideologie demonstrierten. Zudem wurden die bestehenden Verbände entweder verboten oder NS-Dachorganisationen einverleibt, wodurch die Parteiführung der NSDAP unmittelbaren Einfluss auf sie nehmen konnte. Durch Zensur und Veröffentlichungsverbote wurden die Medien gleichgeschaltet und schließlich wurde die förderale Struktur des Deutschen Reiches aufgehoben und das Land zentralistisch regiert.
Da es in der DDR teilweise ähnliche Vorgänge gab, sprechen manche Historiker auch hier von einer Gleichschaltung von Gesellschaft und Medien.
Was in der wissenschaftlichen Debatte zwar bekannt ist, in der öffentlichen Diskussion jedoch im Hintergrund bleibt, ist die Tatsache, daß insbesondere im "Dritten Reich" die Gleichschaltung durchaus nicht immer von außen (oder: von oben) betrieben wurde, sondern daß sich eine Reihe von Verbänden noch vor dem Inkrafttreten der Gleichschaltungsgesetze freiwillig "selbst gleichschalteten". Gleichschaltung setzt also nicht unbedingt Repression voraus. Vielmehr scheint es bei vielen Menschen eine Form von Harmonie-Sucht zu geben, deren Erfüllung darin besteht, daß alle das gleiche behaupten, insbesondere wenn es offenbar unwahr ist. Die Berichterstattung über den "Krieg gegen den Terror" hatte und hat in Deutschland bisweilen starke Züge einer leichten, freiwilligen Gleichschaltung der Presse.