Oktober 1998: Wilde Mangos wachsen zwischen den Kanälen.
Der Blick schweift über satt grüne Reisfelder und Reihen von
Tabak. Der vulkanische Boden ist fruchtbar. Doch die Menschen in Indonesien
können sich nicht einmal mehr mit Reis versorgen, dem Grundnahrungsmittel
des Landes. "Die Preise steigen und steigen, und unser Geschäft
bricht zusammen", zitiert der Berliner Tagesspiegel in einem Bericht
über den Reismangel in Indonesien vom 26. Oktober 1998 Haji Nanang.
Die 55-Jährige war damals schon Großmutter und musste ihre
Mühle stilllegen, weil der Preis für Reis so weit gestiegen
war, dass die meisten Leute im Dorf sich ihn nicht mehr leisten konnten.
Mehrere Katastrophen waren dieser Not vorangegangen: Einer Dürre
folgten Seuchen, danach kam die Asienkrise und mit ihr die Inflation in
Indonesien und den anderen Tigerstaaten. Viele Banken und Firmen gingen
den Bach hinunter, 15.000 Bürger verloren damals allein in Jakarta
täglich ihren Job. Die heimische Wirtschaft lag am Boden.
Während des Booms der 80er mit Wachstumsraten von fünf bis zehn
Prozent hatten Firmen und Privatleute Unsummen an Krediten meist in US-Dollar
aufgenommen. Mitte 1995 begann der Wechselkurs des US-Dollar anderen Währungen
gegenüber anzusteigen. In diesem Moment stiegen auch die Wechselkurse
der an den Dollar gebundenen asiatischen Währungen. Die betroffenen
Regierungen warfen über ihre Nationalbanken große Summen hart
erarbeiteter Dollarreserven auf den Markt, um ihre Währungen zu verteidigen.
Sie mussten der Reihe nach aufgeben. Die Verschuldung in Hartwährung
war die Folge und mit ihr eine dramatisch steigende Armut.