Agitprop


Agitprop setzt sich aus den Worten Agitation und Propaganda zusammen und bezeichnete ürsprunglich die politische "Werbung" der Kommunisten unter Lenin. Der Begriff gehörte erst in der UDSSR und später auch in der DDR zum offiziellen Sprachgebrauch, war dort also positiv gemeint. Zum Beispiel Angela Merkel war interessanterweise (laut Wikipedia) in der FDJ als "Kreisleitungsmitglied" und "Sekretärin für Agitation und Propaganda" beschäftigt.

In der BRD tauchte der Begriff Agitprop eigentlich nur noch ironisierend in den Selbstdarstellungen linker Rockbands oder kritisch als Polemik gegen vorgeblich übertrieben ideologisierte Kunst auf.

 

In mancher Hinsicht könnte man heute die Filme und das Engagement des amerikanischen Regisseurs und Aktivisten Michael Moore als modernen Agitprop bezeichnen, zumal Moore bei seiner Kritik des aktuellen, neoliberalen Kapitalismus' (Moore ist kein Kommunist, er sehnt sich in gewisser Hinsicht nach dem amerikazentrierten Kapitalismus der Zeit des kalten Krieges zurück) auch nicht vor Übertreibung, wahrheitsverdrehenden Auslassungen bis hin zu puren Erfindungen zurückschreckt, wenn er seine Zuschauer von der sicherlich vorhandenen Korumpiertheit der portraitierten Unternehmer und dargestellten Unterdrückungszusammenhänge zu überzeugen sucht.

Rein formal bedient sich der westliche freiheitliche Kapitalismus immer schon ähnlicher Methoden, nur das dies nicht offen ausgesprochen wird. Während der Sozialismus sozusagen "offen ausspricht", daß die Individuen erst die richtige Überzeugung gewinnen und den adäquaten, revolutionären Standpunkt einnehmen müssen (mit Hilfe einer offenen Konditionierung durch Agitation), behauptet der Kapitalismus, die Individuen hätten zu allem die freie Wahl, konditioniert und diszipliniert die Menschen aber in Wahrheit laufend beispielsweise durch suggestive Werbung und ein in Wahrheit nicht für alle zugängliches Bildungssystem.