Adbusters
Adbusters ist zunächst ein globales Netz von Künstlern und Künstlerinnen, Studierenden und anderen Aktiven, das sich insbesondere mit der Subversion des über Werbung und Konsum kommunizierten Teils der existierenden Machtstrukturen befasst. Selbsternannte Zentrale stellt die Adbusters Media Foundation dar, die das monatlich erscheinende Magazin (und die Website) "Adbusters" (vorgeblich "not-for-profit", was immer das heißen mag und mit 120.000 Stk. Auflage) herausbringt sowie "Power-Shift" beherbergt, eine Agentur, die auf Bestellung nichtkommerzielle politische Kampagnen entwirft. Die Foundation hat ihre Basis in Vancouver, Kanada.
Der Begriff Adbusters setzt sich aus den englischen Begriffen 'advertisement' = Werbung und 'busting' = kaputt machen/verhaften zusammen. Gemeint ist damit eine spezielle Technik der Verfremdung von öffentlicher Plakatwerbung beispielsweise durch Überkleben oder Bemalen (siehe hier oder hier), wie sie unter anderem von der Kommunikationsguerilla genutzt wird. Dabei wird die Botschaft/die Gestalt der Werbung nicht nur zerstört, sondern vielmehr für eigene Zwecke vereinahmt (gebustet, sozusagen verhaftet). Die Kommunikationsguerilla hat das Ziel, die durch ständige Wiederholung gewohnten Verständigungsstrukturen (wie z.B. Plakatwerbung) zu verfremden und ihre manipulative Wirkung dadurch wieder sichtbar zu machen. Die erstaunten Betrachtenden sollen die Möglichkeit bekommen, neu zu überdenken, wem sie was glauben, und warum. Eine der bekanntesten Gruppen sind die "Yes Men" deren erste Aktion 1993 die Gründung der 'Barbie Liberation Organization' war, bei der GI-Joe und Barbie-puppen mit jeweils vertauschten Sprachchips in den Handel gebracht wurden.
Ebenfalls erwähnt werden muss im Zusammenhang mit Adbusting die sogenannte "Situationistische Internationale", die eine der ältesten Organisationen ist, die sich mit der Subversion der herschenden Kommunikationsstrukturen befasst. Sie wurde 1957 gegründet und löste sich offiziell 1972 auf. Bis heute beziehen sich jedoch viele Künstler explizit auf diese Gruppe. Drei ihrer Hauptziele sollen hier kurz erwähnt werden, da an ihnen deutlich wird, wie wenig heute politisch aktive Gruppen wie zum Beispiel attac mit den Zielen der politisch Engagierten in den 60ern gemein haben:
* „Verbieten ist verboten!“ (Il est interdit d’interdire, stammt in Wirklichkeit aber von Jean Yanne)
* „Unter dem Pflaster, der Strand.“ (Sous les pavés, la plage)
* „Arbeit? Niemals.“ (Ne travaillez jamais)
Sowohl die Forderung nach einem Ende der des Vorrangs der Arbeit vor allen anderen privaten und öffentlichen Belangen sowie die Utopie von weniger Gängelung und mehr individueller Freiheit kommen in den Äußerungen heutiger linker Gruppen kaum noch vor.